Schätzen

Ich bin tot, sagt sie und öffnet ihre Augen weit.

Blau. Alles rund um sie ist blau.

Und weiß. Und gelb. Und rot.

So hell. Viel zu hell. Sie schließt ihre Augen für einen winzigen Moment.

Und zum ersten Mal – zum ersten Mal – kann sie sie fühlen: eine warme Brise, die ihre Haut von innen streichelt.

Ein Funke nur. Zu klein, um ihn zu fassen. Doch er ist da. Unüberspürbar.

Und er fühlt sich gut an.

Nein, sagt er. Ein Lächeln auf seinen Lippen. Du lebst.

I am dead, she says, opening her eyes wide.

Blue. Everything around her is blue.

And white. And yellow. And red.

Bright. Too bright. She closes her eyes just a second.

For the first time she feels it. A warm breeze caressing her skin from inside.

A flicker only. Too small to grasp. But it is there. Unmistakably.

And it feels good.

No, he says, with a big smile on his lips. You are alive.


Sieh dich um. Schätze, was du hast und welche Menschen auf deiner Seite stehen, und blühe auf. Wenn ich annehme und respektiere, was ich erreicht habe, kann ich genießen: das Leben, so, wie ich es führe, und so, wie es sich mir zeigt. Erst dann fühle ich mich rundum wohl. Erst dann wird mir der akademische Abschluss meiner Arbeitskollegin egal, erst dann interessiert mich der größere Pool des Nachbarn nicht, erst dann juckt mich das schillernde Auto meines Onkels herzlich wenig.

Schätze, was du hast. Ein Gedanke mit so viel Weisheit dahinter. Aber dennoch frage ich mich: Das zu schätzen, was ich habe … Und dann? Hält mich dieser Gedanke nicht in meiner Entwicklung auf? Hindert er mich vielleicht sogar daran, Besseres für mich zu erreichen? Bleibe ich nicht stehen dabei?

Ist dieser großartige Gedanke nicht irgendwo ein zweischneidiges Schwert?