Buchtipp „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ (Hiromi Kawakami)

Ein Kabarett. Zynische Dialoge durchsetzt mit sanfter Emotion. Eine negative Liebeserklärung. Das ist „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“.

Tsukiko ist Ende dreißig und allein, als sie zufällig wieder auf ihren ehemaligen Lehrer, den Sensei, trifft. Sie kommen ins Gespräch; und das, obwohl dieses Gespräch zunächst nichts anderes als ein von Tsukiko kommentierter Monolog des Sensei ist. Langsam, ganz langsam und nach vielen Erdumdrehungen und Himmelsfärbungen erkennt Tsukiko, dass sie für den dreißig Jahre älteren Sensei etwas empfindet, das über bloßes Geplänkel hinausgeht.

„Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ ist das, was ich eine kompakte Story nenne. Sie kommt gleich zur Sache, steigt sofort in die Thematik ein. Und das, obwohl – paradox, paradox! – Tsukiko und ihr Sensei so gar nicht schnell in Fahrt kommen. Zunächst sind es Essen und Trinken und ihre Wortgefechte, die einander verbinden. Eine Mauer aus Luft steht zwischen ihnen, die nicht so leicht durchbrochen werden kann.

Tsukiko ist eine moderne japanische Frau im Gegensatz zum Sensei. Zunächst. Doch die Figur des Sensei hält viele Überraschungsmomente bereit. Er ist sportlich, hat ein eigenartiges Verhältnis zum Thema, jemanden zu bestehlen, er liebt Baseball – und er zeigt Tsukiko seine Batteriensammlung, wie andere es mit ihrer Briefmarkensammlung tun.

Hiromi Kawakamis Roman ist eine Liebesgeschichte, die lange auf sich warten lässt, doch niemals langweilt. Sie unterhält durch ihre tiefen Charaktere und deren subtile Annäherung. Ein tolles Buch für den Frühling, den Sommer, den Herbst und auch den Winter. Bloß das Ende stimmt mich nicht zufrieden. Aber man kann ja nicht alles haben, oder?