How my head sorts out things oder nach welchem Schema ich Bücher bewerte

Mein Kopf sortiert gern Dinge. Nicht mal lesen kann ihn davon abhalten.

Ich genieße Romane sehr, versetze mich in die Story und empfinde sie nach. Wenn ich den Buchdeckel zuschlage (oder den e-Reader abschalte), beginne ich den Roman zu bewerten. Zu kategorisieren. Was ist mir wichtig bei einem Roman? Für mich haben sich die folgenden vier Kategorien herauskristallisiert, in die ich Storys automatisch einordne und bewerte. Ich habe sie nach Priorität sortiert:

  • Emotion: Eine Story muss in mir das Bedürfnis erwecken, seine Charaktere anfassen zu wollen, Mitleid mit ihnen zu empfinden oder Wut. Oder einfach Staunen. Ich möchte nachdenken über den Roman. Nicht nur dann, wenn ich gerade lese, sondern auch oder besonders dann, wenn der Roman auf meinem Nachtkästchen liegt und ich mich mit anderen Dingen beschäftige. Ich möchte, dass die Story mich nicht loslässt. In diese Kategorie fällt für mich auch der Schreibstil, da es zu einem großen Teil die Sprache ist, die in mir klingt und Emotionen bei mir weckt.
  • Charaktere: Ich will die Figuren lieben, hassen, verabscheuen. Ich möchte ein Bild von ihnen in meinem Kopf haben. Das Aussehen ist dabei nebensächlich. Ich will ein Gefühl für die Figuren haben. Für ihre Stärken und ihre Schwächen. Ich mag wissen, warum sie handeln, wie sie eben handeln.
  • Spannung: Nein. Es muss nicht immer ein Thriller sein. Oder ein Horrorroman. Oder ein Krimi. Oder sonst eine Story, die mich in der Nacht Schatten an den Wänden sehen lässt und funkelnde Augen vor dem Fenster. Spannung heißt für mich, dass ich der Auflösung entgegenfiebere. Ich mag wissen, ob die Figuren es schaffen, ihre Probleme zu lösen. Ihr Problem darf mich nicht kalt lassen. Es muss mich daran hindern, das Buch zuzuklappen.
  • Plot: Die Story an sich sollte mir einen gewissen Reiz bieten, ein Buch überhaupt in die Hand zu nehmen. Sie sollte ein Thema in mir ansprechen, das mich interessiert, mehr darüber zu erfahren. Aber (!) die Story ist für mich das Unwichtigste an einem Roman. Ich habe mich von Büchern mitreißen lassen, die in der Finanzwelt oder der Anwaltsszene angesiedelt sind – Themen, die mich nicht besonders berühren –, ganz einfach, weil ihre Charaktere und die Emotionen, die sie erwecken, mich nicht mehr losgelassen haben. Und – im Gegenzug dazu – ich habe Bücher zugeklappt, weil sie keine Saiten in mir zum Schwingen gebracht haben, und das, obwohl der Klappentext inhaltlich doch so verführerisch für mich gewesen ist.