Warum ich mich auf Partys wiederfinde, zu denen ich nicht eingeladen worden bin

I enjoy conversations. I hate small talk.

Wie komme ich von einem Geplänkel über das Wetter auf ein Gespräch über die Arbeit? Oder über Hobbys? Über das, was man gern hat, und das, was man weniger mag? Wie schaffe ich die Brücke von Smalltalk zu einer angeregten Unterhaltung?

Ich sage es vorweg: Ich weiß es nicht!

Smalltalk ist mir fremd. Als Kind und als Jugendliche habe ich schlimme Dinge erlebt. Ich bin in den Bus eingestiegen – und peng! Da war sie: die eine Schulkollegin, die in der hintersten Reihe saß, ein Platz neben ihr frei – für mich. Ich habe mich neben sie gesetzt – klarerweise, wir hatten ja denselben Weg. Und dann hat das Unheil begonnen.

„Wieder Montag, hm?“

„Ja, Montag, leider.“

„Wieder Schule.“

„Ja.“

Der Beginn unseres Gesprächs. Und dann das abrupte Ende. Schweigen. 20 Minuten Fahrt über.

Als wir ausgestiegen sind, hat uns eine Traube Mädels empfangen. Es hat gesurrt und geschwirrt und gebrabbelt rund um die Schulkollegin. Ein Gespräch ging ins andere über. Und ich stand da. Ohne Worte. Ich fühlte mich, als wäre ich im Mittelpunkt einer angesagten Party, bloß, dass mich keiner dazu eingeladen hatte.

Ich bin kein Kind mehr und auch keine Jugendliche. Aber das Thema – die Zeit, mit jemand anderem überbrücken, eine Unterhaltung führen zu müssen – hat mich bis heute fest im Griff.

Es gibt Menschen, mit denen ich im Fluss bin. Die Gespräche fließen einfach vor sich hin. Manchmal plätschern sie, aber dann werden sie zu einem reißenden Fluss. Eines greift ins andere über. Es braucht keine Überlegungen, kein angestrengtes Nachdenken, welches Thema ich denn jetzt anreißen soll. Es ist einfach. Unkompliziert. Angenehm. Unterhaltsam.

Und dann gibt es … die anderen. Das Gespräch kommt nicht in Gang. Die Sätze passen nicht zueinander. Die Kommentare sind nicht stimmig. Ich suche nach dem Gesprächsfaden. Er baumelt da oben über mir wie ein Damoklesschwert. Ich greife hin, schnappe nach ihm. Und wenn ich ihn endlich habe, dann ziehe ich daran. Ziehe und ziehe. Bis er abreißt. Ich zermartere mir das Hirn, was ich denn noch sagen, wie ich den anderen aus der Reserve locken kann. Wie ich denn nur unterhalten kann. (Ich will doch nur lustig sein!) Mag Esprit versprühen. Wie soll ich denn nur für Unterhaltung sorgen?

Ich habe viele Menschen getroffen, denen es geht wie mir. Schweiß bricht aus. Nasse Stirn, nasse Achseln beim reinen Gedanken daran, ein Gespräch mit jemanden führen zu müssen, von dem man weiß, dass die Gesprächsbasis fehlt. Ich habe für mich die Lösung gefunden:

Klar. Ich habe mir ein paar Smalltalk-Tricks angeeignet. So ein einfaches Geplänkel kriege ich hin. Aber mehr ist nicht immer drin. Warum nicht? Weil es nicht passt! Ich brauche Menschen, die mir ein Spiegel sind. Die mir Feedback geben. Die auf meine Aussagen reagieren. Die vielleicht auch kritisch sind. Ich sehe mich selbst vielleicht sogar erst in der Auseinandersetzung mit anderen.

Mit manchen Menschen funktioniert das allerdings nicht. Und das ist in Ordnung. Ich habe lange Zeit überlegt, wie ich es schaffen kann, für Unterhaltung zu sorgen. Und genau da liegt der Denkfehler. Zu einem Gespräch gehören mindestens zwei Menschen. Warum sollte dann ich es sein, der die Unterhaltung führt? Die Verantwortung liegt doch nur zur Hälfte bei mir! Diese Verantwortung übernehme ich gern. Die andere Hälfte überlasse ich allerdings meinem Gegenüber.

Für alle, denen es ähnlich ergeht wie mir: Akzeptiere. Lehne dich zurück, genieße die Aussicht, sollte es denn eine geben, denke über Dinge nach, lege gedanklich die Füße hoch und schlage sie übereinander. Setze deinen Grübeleien ein Stopp, wenn sie dir einreden wollen, dass du langweilig bist oder kein guter Unterhalter. Denk einfach daran: Du bist nur zu 50 % verantwortlich.

Nimm die anderen 50 % nicht dem Langeweiler weg, der dir gegenübersitzt oder steht.