Buchtipp „Die Ehefrau“ (Meg Wolitzer)

Dieser Roman ist für mich das Sinnbild eines nicht gelebten Lebens. Eine Frau, die nicht ausgekostet hat, was das Leben ihr angeboten hat. Nicht ausgeschöpft, was möglich gewesen wäre. Im Mittelpunkt von „Die Ehefrau“ steht für mich keine Figur, sondern Potenzial. Potenzial, das verschenkt wird. Hier wird ein verstecktes Leben geführt. Im Hintergrund.

Inhalt

Joe Castleman ist ein gefeierter Bestseller-Autor. Seine Frau Joan stärkt ihm den Rücken. Als er den Helsinki-Preis gewinnt, die Krönung seiner Karriere als Schriftsteller, begleitet Joan ihn. Auf dem Flug rekapituliert sie ihr Leben und rechnet mit Joe ab, der sie in den Hintergrund gedrängt, ja, ihre Identität gestohlen hat. Sie trifft eine Entscheidung, die auf ihre Landung in Helsinki warten muss.

Meine Meinung

Meg Wolitzer schreibt eine Story über das Leben. Über Entscheidungen und Verantwortungen. Sie wirft eine Menge Fragen auf, die auch für die LeserInnen spannend zu beantworten sind. Was mache ich mit meinem Leben? Wem vertraue ich? Wie weit darf Unterstützung gehen? Opfere ich mein Leben auf – für Ehepartner, Kinder? Was bekomme ich zurück? Welche Rolle im Leben nehme ich ein? Wie komme ich heraus aus einer Falle, die ich mir selbst gestrickt habe?

Ich bin begeistert von der teils sarkastischen Sprache und dem schwarzen Humor, der an vielen Stellen zutage tritt. Die Charaktere sind sehr lebendig, gut vorstellbar mit ihren Stärken und Schwächen. Auch Joan ist nicht fehlerlos. Denn auch sie hat Verantwortung dafür zu übernehmen, wie ihr Leben verlaufen ist.

Über der Story hängt Spannung – die Frage, ob Joan, die Entscheidung, die sie im Flugzeug trifft, tatsächlich durchziehen wird.

Meine Einstufung:

Emotion 4/5

Charaktere 5/5

Spannung 4/5

Plot 4/5